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Sodakonzentrationsschnecke - Caracol (Sosa Texcoco, Mexico City)

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Sodakonzentrationsschnecke - Caracol (Sosa Texcoco, Mexico City)

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Sosa Texcoco: Caracol; Sodakonzentrationsschnecke

  1. Vorgeschichte
  2. Recherche
  3. Fremdrecherche
  4. Ergänzungen
  5. Zusammenfassung
  6. Ziel erreicht?

Folgend wird eine Internetrecherche zum Thema "Sodakonzentrationsschnecke" beschrieben. Zwischenergebnisse/-schlussfolgerungen sind teilweise unvollständig. Der Text sollte deshalb bis zum Schluss gelesen werden. Außerdem kann es vorkommen, dass ab und zu neue Ergebnisse in den Text einfließen.

Vorgeschichte zur Sodakonzentrationsschnecke

Am 23. November 2005 kam, im Geografieunterricht der 13. Klasse am GHG Wernigerode, die Frage auf, was denn eine "Sodakonzentrationsschnecke" sei. Der Begriff findet sich im Diercke Weltatlas auf der Karte von Mexico City, auf Seite 200.

Eine kurze und relativ oberflächliche Nachforschung mit Hilfe von Google ergab lediglich, dass Sodakonzentrationsschnecke keine relevanten Treffer liefert, und dass Caracol auf Deutsch "Schnecke" heißt. Deshalb bekamen wir (der Geokurs) den Auftrag, herauszufinden, was diese Soda Schnecke ist, und warum da Soda konzentriert wird. Damit wir es auch wirklich machen, sollte der Erste, der eine E-Mail mit der Lösung und verlässlichen Quellenangaben an unsere Lehrerin schickt, 15 Notenpunkte erhalten.

Im nachfolgenden Informatikunterricht hatten wir nicht genug Zeit um das Problem noch in der Schule zu lösen.

Eigene Recherche zur Sodakonzentrationsschnecke

Zu Hause angekommen, machte ich mich dran, des Rätsels Lösung über die Sodakonzentrationsschnecke zu finden.

Die Suche war nicht leicht, aber ich stieß nach einiger Zeit über die Bildersuche von Google, mit den Suchbegriffen "mexico+caracol" auf eine spanischsprachige Seite (http://tinyurl.com/cy5ob). Ich kann zwar die Sprache nicht, aber unterhalb dieses Bildes, was stark an eine Schnecke erinnert, fand ich den Namen "Sosa Texcoco" und da stand auch etwas von "carbonato de sodio", also war ich auf der richtigen Spur.

[spirulinascource.com] Daraufhin habe ich nach "Sosa+Texcoco+Soda" gesucht und habe etwas über Spirulina auf spirulinascource.de gefunden (http://tinyurl.com/crcr7). In dieser Anlage hatte man Algen [1] angebaut, und später in alle Welt als Nahrungs(ergänzung)smittel verkauft, allerdings wurde die Produktion eingestellt, weil durch die Luft- und Grundwasserverschmutzung in Mexico City die Qualität der Spirulina sehr schlecht war. Die Folge der schlechten Qualität war, dass die USA den Import stoppten, und der "Anbau" damit aufgegeben werden musste.

[homeherbs.com] Die spiralförmigen Kanäle, die Temperaturen und der für die Mikroorganismen günstige Nährstoffgehalt des Wassers fördern das Wachstum dieser Art. Zur Spirulina ein Auszug von heilkraeuter.de: "Spirulina ist eine [...] Mikroalgenart [...], die aus alkalischen Warmwasserseen vulkanischen Ursprungs (Sodaseen) stammt. Genutzt wird die Pflanze schon seit Jahrhunderten in Zentralamerika[...]". (http://www.heilkraeuter.de/lexikon/spirulina.htm).

Die Verbindung zwischen Soda und "Algen" sollte nun der nächste Schritt sein, um das Rätsel vollständig zu lösen. Wie wir aus dem Chemieunterricht wissen, kann Natriumsulfid, unter starker Wärme und günstigen Bedingungen, mit Kalkstein zu Soda reagieren. "Algen scheiden im Verlauf der Photosynthese riesige Mengen an Kalk ab". (http://dc2.uni-bielefeld.de/dc2/kristalle/salz.htm)

In Mexico ist es sehr warm, es gibt viel Sonne und die Mineralgesteine des Gebirges liefern genug Natriumsulfid, dass daraus Soda entstehen kann.

Der (ehemalige) Texcoco See ist übrigens auf der Karte im Atlas nur wenige Kilometer südlich der Schnecke eingezeichnet. Das lies den Schluss nahe, dass ich mit meiner Nachforschung ziemlich richtig gelegen haben muss.

Ich kam nun zu dem vorläufigem Ergebnis, dass die Sodakonzentrationsschnecke, wie der Name es schon sagt, konzentriert Soda (gelöst) enthällt, die sich in einem künstlich angelegtem, "schneckenartigem" Kanalsystem (Caracol) befindet. Das ganze System diente, meiner ersten Erkenntniss nach, zumindest der "Produktion" eines pflanzlichen Oganismus (Spirulina). Das Wort Sodakonzentrationsschnecke ist meiner Meinung nach nur ein Neologismus des verantwortlichen Kartenschreibers.

Fremde Recherche zur Sodakonzentrationsschnecke

Weil ich anfänglich keine Ahnung hatte, was dieses "Caracol" ist, habe ich eine E-Mail an den Westermannverlag geschickt. Am 24. November, also gleich am nächsten Tag, bekam ich eine Antwort von Herrn Reinhold Schlimm, Redakteur für Kartographie bei Diercke/Westermann. Vielen Dank dafür.

Er teilte mir mit, dass er bereits vor mehr als einem Jahr nach Informationen zu dieser Anlage gesucht hatte. Deshalb wusste er dann auch leider nicht mehr, woher er seine Informationen genommen hatte, aber anscheinend von englisch- und/oder spanischsprachigen Seiten. Die Quellen dazu habe ich, glaube ich zumindest, gefunden. Mehr zu den Quellen unter "Ergänzungen".

Im "Redaktionsordner mit den Kartenunterlagen" gab es laut seiner Auskunft leider keinen Eintrag zur "Sodakonzentrationsschnecke". Allerdings einen Artikel über "Entwässerungsprojekte/Umweltprobleme am Texcoco-See von Prof. H.-J. Sander" ("Geographische Rundschau", Artikel:"Ökologische Sanierung des Texcoco-Beckens im Hochland von Mexiko", GR 6, 1990, S. 328-333).

Das klang schonmal nicht schlecht, und ging in eine ähnliche Richtung, wie meine Ergebnisse.

[omega.ilce.edu.mx:3000/] Weiter berichtete er mir, dass "die Sodakonzentrationsschnecke bereits Bestandteil älterer Entwässerungsmaßnahmen" war. "Sie entstand seit 1936 und steht im Zusammenhang mit dem Bau des Hauptentwässerungskanals nach Nordosten (Fertigstellung 1900)".

"Die Aufgabe der Anlage war es, in dem 19km langen geringelten Becken (über 3km Durchmesser!) im abgeführten Seewasser enthaltenes 'caustic soda' (=Ätznatron) nutzbar zu machen. Insofern ähnelt das Mineralgewinnungsprojekt einer Meerwasserentsalzungsanlage, nur dass es hier um abgepumptes Wasser aus dem (damals) unerwünschten, weil immer wieder überfluteten Texcoco-Seebecken geht".

Die Quellen zu den Informationen von Herrn Schlimm habe ich, wie bereits erwähnt, weiter unten seperat angeführt. Das Ganze klingt jedoch auch ohne Quellen sehr plausibel und deckt sich auch mit den anderen Erkenntnissen und Fakten.

Die Schnecke soll "im Zuge ökologischer Verbesserungsmaßnahmen" mit salzverträglicher Vegetation bepflanzt werden.

Er hatte auch noch auf ein Satellitenbild von http://maps.google.com/ verwiesen (eine Verlinkung dahin funktioniert leider nicht mehr), das die Caracol um 2003 zeigt, und auf der man erkennen kann, dass nur noch "ein kleiner Teilabschnitt zur Sodakonzentration" verwendet wird.

Außerdem hat er geschrieben, dass die Anlage "Sosa Texcoco" heißt (das hatte ich ja auch gefunden, nur konnte ich mit der Bedeutung nichts anfangen).

Ergänzungen

[by mexikids, from sxc.hu] Einer englischsprachigen Quelle (http://spirulina-program.org/4texcoco.htm; diese hatte Herr Schlimm wahrscheinlich auch zur Verfügung) ist zu entnehmen, dass der hohe Salzgehalt im Texcoco-See durch Schmelzwasser der umliegenden Vulkane (Popocatepetl und Iztaccihuatl) verursacht wurde. Durch Evaporation (=Verdunstung), verstärkt durch die Trockenlegung des Sees, blieben diverse Laugensalze, vorallem aber Natriumcarbonat (=Soda), zurück.

Weiter heißt es in dem Text, dass in den 1960ern die Bergbaugesellschaft "Sosa Texcoco" aus der Sodakonzentrationsschnecke Natriumcarbonat und -dicarbonat extrahierte. Dabei stellten sie fest, dass in dem stark basischen "Wasser" das Wachstum der Spirulina begünstigt wurde, aber da sie die Sodagewinnung behinderte, nutzte Sosa Texcoco diesen Nebeneffekt aus und gewann jährlich 300 Tonnen getrocknetes Spirulinapulver (mehr Informationen dazu in der Quelle).

Eine andere, ebenfalls englischsprachige, Quelle, die Herr Schlimm mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gefunden hatte, ist http://www.hispanomundo.com/Mexico.htm

[Texcoco See, 1335 A.D.] Dort wird bestätigt, dass 1900 ein Entwässerungskanal, der das Becken des Texcoco Sees (damals noch der See selbst) mit dem Fluss Pnuco verbindet, fertiggestellt wurde. Die oben genannten Abmessungen sind dort ebenfalls genannt. Des Weiteren ist der Quelle zu entnehmen, dass der Bau der Anlage im Jahr 1936 begann, und dass mehrere, in Längsrichtung angeordnete, Kanäle abwechselnd als Zufluss fungieren, so habe ich das zumindest verstanden.

Zuletzt bin ich noch auf eine deutschsprachige Quelle gestoßen: http://www.amleto.de/mexico/zitate/metropolis.htm

Ich zitiere hier einen Teil der Seite, das sollte zum weiteren Verständnis und zur Festigung der bisherigen Fakten ausreichen: "Um die [...] Abwässer [...] zu klären und abzuführen wurde auch die große Verdunstungsspirale el caracol [...] gebaut. [...] Die [...] Salzlake [...] wird dem Zentrum der Schnecke zugeleitet und dann in eine Transportleitung gepumpt".

Ein interessanter Text von Roland aus Mexico City:
"Die Sosa Texcoco und ihre Geschichte"

Laut Wi-ki-pe-di-a ist der Trivialname für Spirulina auch "Blaualge", besser bekannt als Cyanobakterium. Sie sind jedoch eigentlich keine Algen, da sie keinen Zellkern besitzen.

Zusammenfassung Sodakonzentrationsschnecke

Standort der Sodakonzentrationsschnecke:
Mexico City (Nord-Ost)
Nördlich des ehemaligen Texcoco Sees
Aufbau der Sodakonzentrationsschnecke:
19km langer Kanal (Weiher)
Schneckenartig/spiralförmig angelegt
3.4km im Durchmesser
900 Hektar Fläche
Längs zulaufende Kanäle (Zuflüsse)
Baubeginn:
1936
Betreiber
Sosa Texcoco (Bergbaugesellschaft)
Namen der Anlage:
Sosa Texcoco
Caracol
Sodakonzentrationsschnecke
Funktionen der Sodakonzentrationsschnecke:
Verbindungsteil des Hauptentwässerungskanals des Texcoco Sees
Abwässerklärung/-abführung
Das Natriumhydroxid (caustic soda = kaustische Soda/Ätznatron) im Wasser nutzbar machen
Förderung von Natriumcarbonat/Natriumdicarbonat durch Verdunstung (-> Verdunstungsspirale)
"Anbau" der Spirulina
Soda - Ursachen:
Hoher Salzgehalt im Schmelzwasser der Vulkane
Starke Verdunstung
Anthropogene Entwässerung
Spirulina - Ursachen:
Hohe Salzkonzentrationen
"Stehendes" Wasser
Hohe Temperaturen

Ziel erreicht?

Habe ich mein Ziel erreicht? Leider nicht ganz! Erster war ich nicht, leider nur Dritter (von DreiVier Einsendungen). Aber weil das ziemlich kurz hintereinander angekommen ist, haben wir die 15 Notenpunkte (das ist eine 1+, für die, die es nicht wissen) dennoch alle bekommen!

Abschließend kann ich aber wirklich behaupten, dass diese Schnitzeljagd ein echter Erfolg war, da ich mehr Informationen gefunden habe, als ich zu Beginn dachte, und falls nun mal jemand nach der Sodakonzentrationsschnecke sucht, dann wird er schnell brauchbare und komprimierte Informationen finden, und muss sich nicht mehr seine Zeit mit der Suche nach der Nadel im Heuhaufen verschwenden (allerdings kann er so auch keine 15 Punkte bekommen ;))

Wenn jemandem noch mehr über die Sodakonzentrationsschnecke wissen sollte, kann er mir alles über das Kontaktformular oder per E-Mail (Betreff: Sodakonzentrationsschnecke) oder Gästebuch zukommen lassen. Ebenso Kritik oder Hinweise auf eventuelle Fehler.

Mit freundlichen Grüßen,
Martin Seidling

Wernigerode, 19.04.2006 1

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